Karlsruhe (ots)
Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des Polizeipräsidiums Karlsruhe
Seit Januar 2024 ermittelt die Kriminalpolizei Karlsruhe gegen mehrere Internetnutzer, die sich zu einer lose organisierten und überwiegend über das Internet kommunizierenden sog. „Hater-Community“ zusammengeschlossen und eine koordinierte Hetzkampagne gegen einen 44-jährigen Mann aus Karlsruhe geführt haben sollen. Teile der Gruppierung treten nach den bisherigen Erkenntnissen unter der Bezeichnung „Freikreuzzug“ („FKZ“) auf.
Der 44-jährige Geschädigte tritt selbst öffentlich in den sozialen Medien in Erscheinung und soll aufgrund seines Auftretens sowie seinen teilweise stark polarisierenden Inhalten zur Zielscheibe der Gruppierung geworden sein.
Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen sollen die Mitglieder der Gruppierung über verschiedene Kommunikations- und Social-Media-Plattformen Informationen über den Geschädigten und dessen Umfeld ausgetauscht, Aktionen abgestimmt sowie Maßnahmen gegen ihn vorbereitet und durchgeführt haben. Innerhalb der Gruppierung sollen derartige Aktionen teilweise als sogenannte „Maskengames“ bezeichnet worden sein.
Die Aktivitäten beschränkten sich dabei nach den bisherigen Erkenntnissen nicht auf verbale Anfeindungen oder Kontaktaufnahmen im digitalen Raum. Vielmehr besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten über einen längeren Zeitraum eine Vielzahl unterschiedlicher Handlungen begingen, die teilweise erhebliche Auswirkungen auf den Geschädigten, dessen persönliches und soziales Umfeld sowie unbeteiligte Dritte hatten und bis in die reale Lebenswelt hineinreichten.
Die insgesamt 15 Beschuldigten im Alter zwischen 22 Jahren und 49 Jahren, allesamt deutsche Staatsangehörige, sollen zwischen März 2023 und September 2026 zahlreiche Straftaten begangen und diese dem 44-Jährigen angelastet haben.
So sollen Mitglieder der „Hater-Community“ im Namen des Geschädigten eine Vielzahl von E-Mails mit beleidigenden oder bedrohlichen Inhalten unter anderem an Politiker, Gedenkstätten, Angehörige der Rechtspflege, Einzelhandelsunternehmen sowie Bildungseinrichtungen versandt und dadurch Strafanzeigen und Ermittlungsmaßnahmen gegen den 44-Jährigen ausgelöst haben.
Neben den Straftaten im digitalen Raum sollen die Mitglieder des Netzwerks auch für Sachbeschädigungen am Wohnanwesen des 44-Jährigen sowie Beschädigungen an den Gräbern von Familienangehörigen in Karlsruhe verantwortlich sein.
Wegen des Verdachts der Nötigung, Bedrohung, Störung der Totenruhe, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, des Vortäuschens von Straftaten, Diebstahls, der Sachbeschädigung, üblen Nachrede sowie Beleidigung erließ das Amtsgericht Karlsruhe auf Antrag der Staatsanwaltschaft mehrere Durchsuchungsbeschlüsse.
Am Mittwoch, den 30. September 2026, durchsuchten Ermittler der Kriminalpolizei Karlsruhe mit Unterstützung örtlicher Polizeikräfte bundesweit in insgesamt sieben Bundesländern 15 Wohnungen mutmaßlicher Mitglieder der „Hater-Community“.
Bei den Einsatzmaßnahmen stellten die Beamten unter anderem eine größere Indoor-Plantage mit rund 40 Cannabis-Pflanzen sowie umfangreiche Datenträger als Beweismittel sicher, die nun einer weiteren Auswertung bedürfen.
Die Ermittlungen des Dezernats für Staatsschutz bei der Kriminalpolizeidirektion Karlsruhe dauern an.
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